Was ist
"YOGAS CITTA VRITTI NIRODHA." (Rishi Patanjali)
So, jetzt wissen Sie's. Falls nicht:
"Yoga
ist das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen der Bewußtseinssubstanz."
Astanga-Yoga
- der achtstufige
Yogaweg
[das Sanskrit-Wort "Asta" bedeutet: "acht", "Anga": die "Teile"]
Der auch in unseren Breiten sehr bekannte Rishi Patanjali,
einer der ganz großen
Yogis
des Altertums,
hat den
Yogaweg
in acht Stufen dargelegt.
Seine
'Yoga-Sutras'
gelten auch hierzulande als unumgänglicher Lernstoff für jeden angehenden
Yogalehrer
- oder sollten es zumindest.
In meinen
Yoga-Seminaren
bin ich oft gefragt worden,
"welche Art" von
Yoga
ich denn mache. Meine Antwort lautete immer:
es gibt nur eine ursprüngliche
Yogawissenschaft,
die ist in sich vollständig und berücksichtigt den gesamten Menschen.
In Europa dürfte
Yoga
allgemein salonfähig geworden sein durch die breitenwirksamen
gesundheitlichen
Möglichkeiten,
die sich bei richtiger Durchführung der
Übungen
anbieten.
Tatsächlich ist die
Gesunderhaltung
des Körpers mehr ein erfreuliches Nebenprodukt der
Yogawissenschaft.
Auf den Gedanken, daß sich vollständige
Gesundheit
weiter steigern läßt, kommt vielleicht nicht jeder gleich.
Wer die wohltuenden Wirkungen von richtig durchgeführten, altbewährten
Yogaübungen
eine Weile lang regelmäßig genießt, kann sich eher
vorstellen, was damit gemeint sein soll.
Manche
»Yoga-Lehrer«
mögen die originale Lehre auseinanderpflücken,
Wahrheiten
aus dem Kontext reissen, ihren eigenen Senf hinzufügen
und das Ganze anschliessend unter neuem Namen verkaufen oder - noch schlimmer! - unter dem alten:
»Yoga«.
Wenn dem leider so ist, bedeutet das nicht etwa,
daß es ursprünglich verschiedene "Arten" von
Yoga
gäbe.
Es gibt allerdings unterschiedliche Herangehensweisen an die persönliche Selbstverwirklichung.
Hierzu gilt es im
Yoga
als legitim (hier beziehe ich mich auf das Wort Yoga nicht nur als ein Paket von
Übungsmethoden,
sondern im Sinne eines Lebenswegs bzw. einer bestimmten Lebensweise),
dass z.B. ein Mensch mit starker Gefühls-Betonung mehr der Praxis der Hingabe an Gott
(Bhakti-Yoga)
folgt,
ein typischer 'Tatmensch' hingegen sich der tieferen
Wahrheit
vielleicht eher in Form von Aktivität
(Karma-Yoga)
nähert.
während ein Dritter sich hauptsächlich auf seine Weisheit verlassen mag
(Jnana [sprich: "Gäna"]-Yoga).
Von den meisten verwirklichten
Yogis
ist bekannt, daß sie mehr oder minder eine Mischung dieser drei Aspekte leben.
Letztere sollten also mehr als
individuelle Betonung gesehen werden und nicht etwa als einzige Maßnahme unter Ausschluß der Übrigen.
So kann jeder
Wahrheitssucher
seiner persönlichen Veranlagung Rechnung tragen
- oder mit anderen Worten:
er kann da losgehen, wo er nun mal steht bzw. er kann
- und soll auch -
seine ureigenen Stärken auf seinem Weg nutzen.
In diesem Licht betrachtet, ist deutlich zu sehen,
daß es also nicht etwa angebracht wäre, deswegen von unterschiedlichen
Yoga-Arten,
im Sinne unterschiedlicher
Wissenschaften
mit jeweils eigenen Zielen zu sprechen.
Das Ziel der
Yogapraxis
als Lebensweg sollte die sogenannte Gottverwirklichung bzw. Verwirklichung des höheren
Selbst
sein.
Wenn Hermann Hesse sagt:
"Jemanden zu lieben bedeutet, ihn so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat",
dann möchte ich gerne daran anschließen und
formulieren:
"Selbstverwirklichung bedeutet für mich, so zu leben,
wie ich annehme, daß Gott mich gemeint hat."
Die ethischen Grundregeln im
Yoga
sind von der Bedeutung her identisch mit den Biblischen zehn Geboten.
Sie zählen als zwei der acht Stufen.
Ich halte es für wichtig, daß der Leser sich im Klaren darüber ist,
daß ein- und dieselben Worte der Sprache oft unterschiedliche Bedeutungen haben -
auch die der Deutschen Sprache.
Eine
Terminologie
zu finden, die den Kern der Sache trifft und gleichzeitig in einer Sprache ausgedrückt werden soll,
in der es
oftmals keinen mit der Ursprungssprache (z.B. Sanskrit) vergleichbaren Begriff gibt
- das ist nicht ganz einfach.
Hier lauern also Mißverständnisse, die Sie sich eventuell sparen können,
indem Sie bei eventuellen inneren 'Fragezeichen' angesichts des einen oder anderen
Begriffs, der in Verbindung mit
Yoga
genannt wird,
vielleicht erst einmal warten, bevor Sie ihn assoziieren mit einem gleichlautenden Wort, das
Sie meinetwegen aus der
Terminologie
der
Psychologie
kennen.
Ein typisches Beispiel hierfür dürfte im Deutschen der Begriff 'Seele' sein.
Das Wort bedeutet in der Psychologie etwas vollkommen anderes
als im
Yoga.
Ich habe x-mal miterlebt, wie Menschen das mißverstanden,
weil sie es zu vorschnell deuteten und sich damit selbst
um ein tiefergehendes Verständnis brachten.
Im Sanskrit gibt es für das, wofür bei uns das Wort 'Seele' als Sammelbegriff herhalten muß,
mindestens vier oder fünf unterschiedliche Wörter,
von denen jedes einzelne eine eigene Bedeutung bezüglich des Themas 'Seele' hat.
Sie können sich das so ähnlich vorstellen wie
die Eskimos mindestens zwanzig oder mehr Wörter für 'Schnee' haben,
weil das einfach die Schneespezialisten sind, die innerhalb des Themas
Schnee viele feine Nuancen zu unterscheiden gelernt haben.
In der aus dem Sanskrit stammenden Begriffswelt der
Yogawissenschaft
wird ganz klar das 'Selbst' bzw. die individuelle Seele
(Atma) von etwa dem Ego (Ahamkara) unterschieden.
'Ego-Verwirklicher' gibt es auf dieser Welt wie Sand am Meer.
Die meisten davon dürften allerdings kaum innerlich vollkommen glücklich sein, da das Ego
nicht identisch mit dem Selbst ist, sondern nur ein Teil des Selbst-Ausdrucks.
Die
Yogis
des Altertums haben sich viel Zeit genommen,
um z.B. die Wirkung einzelner
Nahrungsmittel
und bestimmter
Übungen
auf den menschlichen Organismus zu erforschen.
Sie entdeckten dabei, dass sie,
je ruhiger sie in der Meditation sassen und je weiter sie nach innen tauchten,
immer glücklicher wurden.
Obwohl ein Vorgang der 'Definition' in Bezug auf Gott strenggenommen einen Widerspruch darstellt
- denn Gott ist bekanntlicherweise unendlich, also ist Gott nicht de-FIN-ierbar,
was bekanntlich vom gleichen Wortstamm wie 'Fine - Ende' kommt -
haben die Menschen unterschiedlicher
Kulturen
immer wieder versucht,
eine dem (von seiner Grundfunktion her natürlicherweise begrenzten)
menschlichen Denkorgan einigermaßen faßbare Umschreibung für dieses Göttliche Unendliche zu finden.
In diesem Sinne wird Gott bereits in den alten
Yogaschriften
'definiert' oder besser gesagt umschrieben
als Sat-Chit-Ananda
['absolutes Sein, absolutes Bewusstsein, absolute Glückseligkeit'].
Bitte beachten Sie,
dass weiblich und männlich hierbei vollkommen gleichwertig sind
bzw. in der Definition gar nicht erst auftauchen!
Wenn ich von 'Gott' spreche, könnte ich genausogut 'Göttin' sagen oder neutral: 'das Ewige' -
es gibt zahllose Umschreibungen.
Ich halte nicht viel von festgelegten, womöglich patentierten
(ich übertreibe an dieser Stelle bewußt etwas) Namen und
monopolistischen Ansprüchen von Gottesbezeichnungen,
sei es 'Jahudi' oder sonst irgendwie,
vor allem dann, wenn es in Verbindung
damit sozusagen ein 'Kleingedrucktes auf psychischer Ebene' gibt ...
(siehe auch meinen Artikel
Christus und Yoga?)
Yoga
ist nicht etwa eine Religionsbewegung, ein Glaubens-System oder eine Glaubensgemeinschaft.
Wer sich einer Glaubensgemeinschaft anschließen möchte,
findet dafür genügend Möglichkeiten auf der Welt.
Ich persönlich gehe von folgendem aus:
nachdem Gott allgegenwärtig ist, muß Gott auch bei mir und in mir anzutreffen sein,
schaut mir aus jeder
Blume
entgegen,
belebt meinen Organismus durch die Sonnenstrahlen, durch die
Nahrung
... und wenn ich recht überlege: was muß ich tun, um die
Nahrung zu verdauen?
Muß ich dafür den hochkomplizierten Mechanismus im Inneren meines Körpers selbst dirigieren?
Nein. Auch das regelt die universelle Intelligenz 'von Selbst'.
Den metabolischen Mechanismus und den elektromagnetischen
Mechanismus im Körper - all das und viel mehr.
Diese unbegreifliche Intelligenz ist uns näher, als es uns vielleicht bewußt ist.
Wenn wir uns die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Re-ligio ansehen, heisst es:
das was uns hält, erhält und schützt.
So gesehen gibt es eine grosse 'Religion',
die alle Lebewesen verbindet. Was soll das sein?
Ganz einfach: der Atem.
Swami Sri Yukteswar,
ein sehr bekannter
Yogi,
sagte:
wenn es der Übende fertigbringt, an einem Tag eine genügende Anzahl Atemzüge bewusst
zu beobachten, wie sie von der Seele* durch die Nase gemacht werden,
so kann er damit die
Meditation
von Jahren vollenden.
*(dem 'Selbst', nicht etwa gleichbedeutend mit der 'Psyche' - Anm. d.
Autors)
Der Begriff
Hatha Yoga
umfasst die ersten vier Stufen des achtstufigen
Yogaweges
(inclusive auch die weithin bekannten Asanas),
der Begriff Raja [sprich: "Radscha"]
Yoga
meint die vier aufbauenden Stufen, die mehr meditativ orientiert sind.
Diese acht Stufen folgen nicht notwendigerweise chronologisch aufeinander,
sondern greifen in der Praxis eher ineinander über.
Das Original-Sloka in Patanjalis
Yoga-Sutren
hierzu lautet:
"YAMA-NIYAMA-ASANA-PRANAYAMA-PRATYAHARA-DHARANA-DHYANA-SAMADHAYO STAV ANGANI."
YAMA und NIYAMA sind ethische Regeln für den richtigen Umgang mit den Mitmenschen und mit uns selbst.
Sie entsprechen vom Sinn her den Lehren aller grossen
Propheten
(wohlgemerkt: der
Propheten
selbst und nicht etwa der Glaubensgemeinschaften, die sich darum gebildet haben mögen!),
da sie eine ethische Grundlage für jede dauerhaft glückliche und gesunde
Kultur
bieten.
Daran können Sie bereits sehen,
dass die originale
Yogawissenschaft
und z.B. die Lehre
Jesu Christi
in keinerlei Widerspruch zueinander stehen, im Gegenteil.
Wenn ich jemanden sagen höre, er wolle mit
Yoga
nichts zu tun haben - er sei doch
Christ
...,
dann weiss ich nicht, ob ich
lachen
oder
weinen soll.
Interessanterweise können wir sogar in relativ neuen menschlichen Kollektivformen
(z.B. der globalen
Internet-Gesellschaft)
beobachten,
dass sich wie von selbst mehr und mehr genau diese Handlungsrichtlinien für den einzelnen Teilnehmer etablieren
(Nicht-lügen, Nicht-stehlen usw.).
Das sind also zeitlose
Wahrheiten,
die sich früher oder später von selbst durchsetzen.
Wer sich allzu konsequent nicht daran hält,
dem wird es schwerer gemacht und das ist auch richtig so, oder?
ASANA bezeichnet sowohl die richtige Körperstellung für
Meditation
als auch all die
Yogastellungen,
die die
Gesundheit
fördern und es dem Praktizierenden erleichtern sollen,
eine angenehme Meditationshaltung einzunehmen und darin ohne Anstrengung zu verharren.
Die feinere Bedeutung von 'Asana' meint eine gleichbleibend ruhige geistige Haltung.
PRANAYAMA ist die
Beherrschung der
Lebenskraft (Prana).
Hierfür werden unter anderem bestimmte Atem- und
Konzentrations-Übungen
zu Hilfe genommen,
mit denen der Übende die
Lebenskraft
nach Belieben
z.B. entweder gleichmässig auf alle Zellen und Organe verteilen kann oder sie auch in verborgene Bereiche
des zentralen Nervensystems lenken kann, sodass dort eine subtile Anregung wichtiger Bewusstseinszentren stattfindet.
Daraus gewinnt der Mensch mehr Lebensfreude und Bewusstheit.
Der 'Neuling' sollte solche
Übungen
nur unter der Anleitung eines erfahrenen
Lehrers
praktizieren.
Das gilt auch für die meisten
Asanas
(Übungsstellungen).
PRATYAHARA ist das Zurückziehen der
Lebenskraft
von den Sinnen.
Schlaf ist sozusagen unbewußtes Pratyahara.
Die Sinnes-'Telefone' sind abgeschaltet.
Allerdings ist man im Schlaf meistens nicht innerlich konzentriert,
sondern bewegt sich in irgendwelchen Traumwelten oder im Tiefschlaf.
Um Pratyahara zu verwirklichen,
muss man innerlich bewußt bleiben, während nur der Körper 'schläft'.
DHARANA ist tiefe
Konzentration.
Als tief kann die
Konzentration
dann bezeichnet werden,
wenn sie im Zustand des
Pratyahara (s.o.)
stattfindet,
also ohne jede Ablenkung durch die Sinne.
Konzentrieren kann man sich auf Beliebiges,
also auch auf die Lösung von Alltagsaufgaben.
Im
Yoga
lernt man, diese Fähigkeit von Grund auf zu
vertiefen.
Konzentrationsübung als Musik-Video
(WMV, Dauer 1:36 Min.):
Youtube-Version des Konzentrations-Übungs-Videos ...
DHYANA
oder
Meditation
ist diejenige Art der
Konzentration,
die allein auf die Erkenntnis Gottes
oder der absoluten, allumfassenden
Wahrheit
gerichtet ist.
Wenn die
Konzentration
so intensiv ist, daß sie von selbst,
also ohne weitere Anstrengung,
ununterbrochen auf einen Punkt oder Gedanken hin fließt,
nennt man sie
Meditation.
Daraus kann SAMADHI resultieren
- glückselige Trance oder Versenkung in die Allgegenwart Gottes.
Der Weg des
Yoga
ist für Praktiker gedacht, die bereit sind, etwas für sich zu tun.
Mit intellektuellem Theoretisieren und Dogmen-Reiterei allein
ist nicht viel erreicht.
Sie können ja einmal jemanden, der z.B. auf unangenehme Weise mit seinem
'Wissen'
prahlt,
ganz persönlich fragen, ob er glücklich sei.
Vielleicht wird er Sie spontan verständnislos anschauen, bevor er dann mehr oder weniger elegant das Thema wechselt ...
Das Einzige, woran spiritueller Tiefgang (manche sagen "Fortschritt") 'gemessen' werden kann,
ist inneres Glücklichsein;
gleichzeitig kann das eigene Leben nur dann als Erfolg bezeichnet werden,
wenn es auch den Mitmenschen etwas bringt.
Mit Hilfe von
Yogapraxis
und eigener Aufrichtigkeit kann jeder sich selbst davon überzeugen,
daß dem Menschen Bewußtseinszustände möglich sind,
die nur als göttlich bezeichnet werden können.
Etwas blind zu glauben, ohne es nachgeprüft zu haben,
ist also im
Yoga
weder wünschenswert noch notwendig.
Dieser Teil der
Livepiano-Alleinunterhalter-Webseite
wurde upgedated im
Juni 2011
.