Die Fertigkeit des
Musizierens
und ihre Bedeutung für die menschliche Entwicklung
»Musik lernen«
bedeutet in der Konsequenz meist mehr, als "nur"
Musik
zu lernen.
Wissenschaftliche Studien wie z.B. die bekannte PISA-Studie haben gezeigt,
daß aktives
Musizieren
- also das
Erlernen eines Musikinstruments,
der damit einhergehenden
musikalisch-theoretischen
Zusammenhänge
und (freudvoller)
musikalischer
Praxis -
wesentlich zur Gesamtentwicklung des Menschen beiträgt.
Bekanntlicherweise hängt der Gehörssinn mit dem Gleichgewichtssinn zusammen
und so nimmt es nicht wunder, daß
musikalische
Gehörbildung auch eine positive Auswirkung
auf das räumliche Vorstellungsvermögen zeigt.
In der Praxis bedeutet das eine Verbesserung der Leistungen in
äußerlich sehr unterschiedlichen Disziplinen
wie Sport und Mathematik,
die mit
»Musik lernen «
zunächst und dem Augenschein nach nicht viel zu tun haben mögen.
Aktives Musizieren,
Improvisieren und Komponieren
begünstigt das Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften.
Das Lernen mit
Musik
- also das Studieren eines beliebigen Faches
unter begleitender Hintergrundeinspielung
musikalischer
Klänge -
ist ein eigenes Kapitel für sich,
über das sich die Geister streiten.
Einer angemessenen Antwort auf die Frage,
ob solcherart
Musik-Lernen
sinnvoll sei,
läßt sich nach Ansicht des
Autors
nicht etwa durch ein simples
»Ja«
oder
»Nein«
gerecht werden.
Den persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen des
Autors
zufolge
spielen bei der Entscheidung, ob Lernen mit
Musik
sinnvoll sei oder nicht,
mehrere Faktoren eine Rolle.
Es werfen sich hierbei folgende Fragen auf,
die jeder Einzelne sich persönlich stellen sollte,
bevor er den CD-Player anwirft:
-
Mag ich überhaupt
Musik?
Wenn ja, welche Art(en) von
Musik
und welche davon jeweils zu welcher Gelegenheit?
-
War mein
Musikgeschmack
bis jetzt immer der gleiche oder gab es Unterschiede,
z.B. in verschiedenen Lebensphasen oder in unterschiedlichen Situationen?
-
Was bin ich für ein »Lerntyp«
- visuell (gesichtssinn-betont),
auditiv (gehörssinn-betont),
taktil (tastsinn-betont) ?
-
Welches Fach muß ich studieren?
Sprache? Sportübungen?
Wie hängt das jeweils zusammen mit meinem Lerntyp und der damit einhergehenden
ergänzenden bzw. eventuell gehirn-überfordernden Wirkung
im Gesamtzusammenhang?
-
Auf welche
Musik
hätte ich JETZT
konkret
Lust,
vor welcher Art von
Musik
könnte ich JETZT eher davonlaufen?
Schlagergesang über den Lautsprecher eines Supermarktes
kann vielleicht den Kunden A zu genußvoll ausgedehntem Verweilen im Laden animieren,
den Kunden B hingegen schleunigst den Weg zur Kasse und zum Ausgang suchen lassen.
Es läßt sich eine gewisse Verwandschaft zu kulinarischen Themen feststellen.
Die gleiche Art von Nahrung ist vielleicht nicht für jeden Menschen gleich gut geeignet
und das auch nicht zu jedem Zeitpunkt des Lebens oder auch des Tages gleich gut.
Daher sollte vielleicht ein Begriff wie
'musikalischer Appetit'
bei der Auswahl von
Musik
eine Rolle spielen.
Zwar kommt der subjektiv-individuellen Perspektive des
Mit-Musik-Lernens
bzgl. der Wahl der
Lern-Musik
eine zentrale Bedeutung zu.
Trotzdem gibt es selbstverständlich auch nahezu empirische,
also allgemeingültige Auswirkungen von
Musik,
zumindest von der meßbaren Schwingungsfrequenz und Lautstärke her.
So können bestimmte Arten von lauter
Disco-Musik,
in denen bestimmte Frequenzanteile vermehrt vorkommen,
auf den menschlichen Organismus unter Umständen tödliche Wirkung zeigen.
Bei manchen Arten von (eher ruhiger)
Musik
wurde eine wachstumsfördernde Wirkung auf
Pflanzen
beobachtet.
Für das Erreichen der Wirkung von für bestimmte dynamische Zwecke
(z.B. Tanz, Aerobic) eingesetzte
Musik
mag eine gewisse Mindestlautstärke sozusagen Grundbedingung sein.
Bei für eher 'statische' Zwecke (Sitzen und Lernen)
dürfte es sich bei dem zu beachtenden Faktor neben der
Musik-Art
vor allem auch um das Einhalten einer Maximallautstärke handeln.
Weitere Fragen mögen sich aufwerfen, z.B.:
-
könnte es Sinn machen,
beim Lernen von Vokabeln eher
Instrumentalmusik
(Musik
ohne Text) nebenher laufen zu lassen und warum?
-
Handelt es sich bei dem Lernvorgang um ein Wiederholen oder um ein
Neu-Lernen?
-
Handelt es sich bei dem Lern- oder Arbeitsvorgang um eine
kreative
Tätigkeit?
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April 2011
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