Kundalini und Wirbelsäule

Glossar Kultur, Gesundheit, Philosophie



"Sthira Sukham Asanam."
"Die richtige Übungsstellung ist dann erreicht, wenn sie angenehm und fest ist." - Rishi Patanjali


"Macht gerade den Weg des Herrn!" - Johannes 1.23

Dieses Kapitel soll ein Licht vor allem darauf werfen, wie wichtig ein Geradehalten der Wirbelsäule ist, wenn wir meditative Übungen praktizieren.

Für den Yogi geht es dabei nicht zuletzt auch darum, den Weg zu ebnen für das Erwachen bzw Aufsteigen der sogenannten Kundalini-Sakti*

* (Kundalini, wörtlich: "die Zusammengerollte"
= die uns allen innewohnende schöpferische Urkraft, "Schlangenkraft", ein weiblicher Aspekt Gottes)


die bei den meisten Menschen (sozusagen als Folge des Falles der Schlange der Lebenskraft vom paradiesischen Baum) auf der Erde verweilt - "im Muladhara-Chakra* schläft."

* Muladhara, wörtlich: "Haupt-Behälter" (der Lebenskraft) = Steißbeinzentrum, Erdzentrum
Chakras, Chakren, wörtlich: "Räder" = feinstoffliche Energiezentren in Wirbelsäule und Gehirn


Der Begriff "Schlangenkraft" dürfte allerdings für Manche etwas irreführend sein, denn mit dem Wort "Schlange" assoziieren viele Menschen Gedanken wie Gefahr oder Tod.
Daß das in diesem Fall allerdings nicht zutrifft, sei vorausgeschickt,
ebenso die Aufforderung, keine Angst davor zu hegen, daß die Kundalini etwa beißen könnte oder so.

Schlangen sind vielmehr eine Tierart, die selber dazu neigt, viel Angst zu haben, denn sie verfügt nicht etwa über Arme und Beine, um sich wehren zu können. Für den Notfall hat sie manchmal nur ihr Gift.
Selbst wenn sie nur zur Warnung zischt, dann reagieren viele Menschen bereits mit Panik, was überhaupt keinen Sinn macht, sondern höchstens womöglich weitere Mitmenschen mit der gleichen sinnfreien Ängstlichkeit ansteckt
bzw Schlangenarten wie die Kobra (die, wenn sie sich bedroht fühlt, alles angreift, was sich bewegt), erst so richtig in Fahrt kommen läßt bezüglich ihrer eigenen Angstreaktion.

Etwas später in diesem Kapitel wollen wir weitere Charakteristiken der Tierart Schlangen anführen, die auch zeigen sollen, warum das Sinnbild der Schlange als Parallele zu der inneren menschlichen Kundalini-Naturkraft verwendet wird.

Bereits mit jedem guten, wahren Gedanken erwacht ein Teil der Kundalini-Sakti und steigt nach oben - sozusagen in die 'helleren' Bewußtseins-Bereiche der Wirbelsäule und des Gehirnes. Das erleben wir normalerweise als eine Art angenehmes, erhebendes Gefühl.
Nachdem so etwas vermutlich jeder Mensch kennt, sollte daraus ersichtlich sein, daß Befürchtungen bezüglich der Schlangenkraft als vermeintlich gefährliche Sache prinzipiell gegenstandslos sind.

Wenn Yogis auf fortgeschrittenen Entwicklungsstufen sozusagen größere Portionen der Kundalini auf einmal wachrütteln, so wissen diese Yogis genau, was sie tun.

So etwas geschieht nicht etwa sozusagen aus Versehen. Das soll heißen, daß ernsthafte, intensive und meist jahre- bis jahrzehntelange Vorbereitungen dafür erforderlich sind.

Allerdings kann zB die Anwendung von Drogen oder sonstigen Methoden, die nicht etwa den tieferen Sinn der Yogawissenschaft träfen, vorübergehend eine gewaltsame Erweckung der Kundalini bewirken, (dann durchaus leider auch mit bleibenden Schäden für die körperliche und geistige Gesundheit!) was nachvollziehbarerweise nicht in unserem Sinne wäre.

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Eine des Autors Formulierungen für das erfreuliche und sanft 'kundalini-verdächtige' Phänomen,
daß als Resultat fortgesetzter Aufmerksamkeit und Konzentration eines Tages eine bemerkenswerte Wachheit der Sinne, des Geistes und Körpers eingetreten war, lautete, daß "die Wahrnehmungs-Kugel rund" sei
- ähnlich wie ein Luftballon erst im aufgeblasenen Zustand seinen eigentlichen Zweck erfüllen kann.

Die Wahrnehmungs-Kugel kriegen wir übrigens vermutlich nur dann richtig rund, wenn der "Weg des Herrn", bzw der Dame (Kundalini), nämlich
die Wirbelsäule, gerade bleibt
und zwar (bei meditativen Übungen) durchgehend und ohne etwa eine separate Anstrengung,
("Sthira Sukham Asanam.")
sodaß wir das Körperbewußtsein vorübergehend vergessen können - je vollständiger, desto besser!

Um das in einer jeweiligen Sitzung zu erreichen, ist es gegebenenfalls notwendig, zuerst eine zeitlang besondere Aufmerksamkeit und Anstrengung darauf zu verwenden, die Wirbelsäule immer und immer wieder geradezustrecken, möglichst bis das Geradehalten der Wirbelsäule so gut wie automatisch geschieht bzw bleibt.

Warum das so wichtig ist, wird aus zwei Gründen ersichtlich.
Der Eine besteht schlicht und ergreifend darin, daß wenn wir uns einpünktig konzentrieren wollen, wir durch ein Geradehalten der Wirbelsäule unter anderem erreichen,
daß das innerlich vor dem geistigen Auge (im "Kutastha") manchmal sichtbare Licht sich selbst besser zentriert und nicht etwa allzu zersplittert erscheint, was ansonsten die Konzentration nicht unbedingt erleichtern würde.
Auch hilft uns dann das Licht, die Aufmerksamkeit als Energiefluß über möglichst lange Zeit hinweg ölstrahl-artig ununterbrochen und gleichmäßig ruhig zu halten, sodaß sich unsere Konzentration im Idealfall zu Meditation weiterentwickeln kann.

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Um den zweiten Grund verständlich zu machen, möchten wir an dieser Stelle versuchen, das Thema neben der metaphorischen Vorstellung der Kundalini als Schlangenkraft mittels einer weiteren bildlichen Vorstellung zu veranschaulichen, nämlich mit der gleichen Kraft als eine
durch einen Bösewicht (Unwissenheit) entführte und dadurch von ihrem Helden (Bewußtsein) getrennte gute Prinzessin (Kraft),
deren eigentliche Heimat in der Unendlichkeit (Scheitelzentrum) liegt,
die aber bei den meisten Menschen gefangen auf der Erde (im Steißbeinzentrum - vorwiegend materiellen Bewußtsein) auf ihre Rettung bzw auf eine Fluchtmöglichkeit wartet in Form des Sich-Öffnens und Überschaubar-seins (Geradehaltens) ihres Fluchtweges (Wirbelsäule - in dem Fall sozusagen der "Weg der Dame").

Wenn wir dafür des weiteren einmal versuchen, die rein räumliche Situation aus der Sicht unserer lieben Schlangen-Prinzessin (Kundalini-Sakti) von ihrem Erd-Gefängnis aus zu sehen,
dann wird klar, wieso das Geradehalten der Wirbelsäule auch in ziemlich direktem Zusammenhang mit einem ruhigen Blick in den Kutastha*-Mittelpunkt einhergehen sollte.

* Kutastha = der Punkt zwischen den Augenbrauen, ein Pol des Ajna-Chakras (feinstoffliches Zentrum des Christusbewußtseins), an dem sich wichtige Nervenverbindungen treffen und der von Yogis oft als anatomischer Konzentrationspunkt verwendet wird.

Livemusik-Alleinunterhalter, Barmusik, Tanzmusik Um auch hierzu einmal wieder eines unserer beliebten Beispiele aus dem Themenbereich der Musik in Beziehung zu setzen, können wir unsere Schlangen-Prinzessin auch einfach sozusagen eine musikalische Melodie-Prinzessin nennen, die vom bösen, disharmonisch gesinnten Tonräuber entführt wurde und seitdem auf der (großen) Septime festsitzt.

Wohin strebt sie in dem Fall? Wohin wird sie nicht aufhören zu streben, bis das Musikstück sein Happy-End findet?

Richtig - zum Grundton! Solange nicht der Grundton der letzte Ton der Melodie im Musikstück ist, wird das Ereignis nicht etwa als Schluß empfunden, geschweige denn als Happy-End - zumindest wenn wir von einigermaßen klassischer Musik ausgehen. (Bei etwa einer 'Jazz-Prinzessin' müßten wir wieder etwas eigene Maßstäbe ansetzen ...)

Um das Ganze wieder auf den yogisch-philosophischen Themenbereich zu beziehen, möge in dem Fall die Septime verstanden werden als Muladhara (Steißbeinzentrum) und der Grundton als Sahasrara (Scheitelzentrum, Knonenchakra).

Im folgenden einige Hinweise auf die sprichwörtliche 'Schlangennatur' der Kundalini:

in der Natur steht der Mensch normalerweise nicht etwa auf dem Speiseplan von Schlangen. Es wäre daher Unsinn zu glauben, Schlangen (auch wenn sie Drohgebärden ausführen oder zischen mögen) würden dem Menschen von sich aus etwas Böses wollen.
Allerdings gelten Schlangen auch als rachsüchtig bzw merken sich alles, was man ihnen jemals angetan hat. Wenn wir also eine Schlange bereits im Vorfeld unweiserweise unfreundlich behandelt haben sollten, dann kann die Sache eventuell ungemütlicher aussehen!

Normalerweise kann der Naturfreund von folgendem ausgehen.
Das einzige was eine Schlange (oder sonst ein in die Enge getriebenes wildes Tier) "will", ist die Gewißheit, daß sie über einen freien Fluchtweg verfügt!

Als wesentlich in dem Zusammenhang sollte außerdem nicht unerwähnt bleiben,
daß das Reptilien-Gehirn (das von seiner Funktion her auch beim Menschen vorhanden ist) nur zwei Zustände kennt und zwar
sicher oder unsicher.
Alles was nicht sicher ist, ist unsicher. Punkt. Es gibt nicht etwa Zwischen-Optionen!

Stellen wir uns, wie gesagt, einmal bildlich den 'Blick' oder die Perspektive unserer sozusagen im Muladhara (Erd-Zentrum) eingesperrten Kundalini-Prinzessin vor,
also vom Steißbeinzentrum aus nach oben durch den hohlen und im Idealfall offenen Mittelkanal (Susumna-Nadi) in der Wirbelsäule in Richtung ihres heimatlichen Zieles Fontanelle!
Im Idealfall, das heißt, wenn sozusagen der Fluchtweg für die Prinzessin offen und frei von Hindernissen sein soll,
dann muß er auch möglichst gerade sein und zwar bereits allein aus Gründen des besseren Überblicks für das Wesen, das den Fluchtweg nutzen will. Denn was würde es nützen, wenn es beginnt zu fliehen, nur um hinter einer etwaigen Ecke (wenn also der Weg nicht schnurgerade und damit gut überblickbar wäre) etwa einem Gefängniswärter oder Räubern usw in die Arme zu laufen?

Chakrenfarben Kreise Ist der Fluchtweg also frei und gerade,
(was auch im Sinne des obengenannten "Sicherheitsgefühls" ziemlich günstige Bedingungen darstellen sollte,)
dann müßte der Blick, wenn man durch einen geraden Kanal auf den Zielpunkt schaut, etwa so aussehen:
(siehe Bild rechts, mit den einzelnen Chakren als unterschiedlich gefärbte Teilstrecken)

Der hellgrüne Punkt in der Mitte symbolisiert das Ziel (Sahasrara-Chakra - Fontanelle),
während die übrigen Farbkreise die Chakren symbolisieren, die die Schlangenkraft-Prinzessin passieren muß, um dorthin zu gelangen.

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Der Yogi wendet unterschiedliche Prozesse an, um die Voraussetzungen für ein erfolgreiches und problemloses Erwachen und Aufsteigen der Kundalini-Kraft (in unserem Sinnbild: die erfolgreiche Flucht der Prinzessin in die Freiheit) zu begünstigen. Chakrenfarben Kreise verschoben Bei nicht gerader Wirbelsäule und wenn nicht die Nadis (feinstoffliche Nervenkanäle) gereinigt und mögliche Hindernisse beseitigt wurden,
dann könnte der Blick vom Steißbeinzentrum aus nach oben etwas verwirrender und somit für die Prinzessin nicht ganz so einladend aussehen (siehe Bild rechts).





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